Das Walsterben an der Nordsee » Reise Urlaub

An der deutschen und niederländischen Nordseeküste spielte sich in diesen Tagen ein trauriges Schauspiel ab: Zwölf Wale wurden an die Strände gespült und sind dort verendet. Sechs der tonnenschweren Meeressäuger starben am Strand der niederländischen Insel Texel, ein Wal wurde vor der Küste von Bremerhaven gefunden, drei an der Küste von Schleswig-Holstein und zwei Wale sind vor der Insel Wangerooge gestrandet. Wie kommt es zu diesem plötzlichen Walsterben, was sind die Ursachen?

Die Wale sind falsch abgebogen

Um diese Jahreszeit machen sich junge Walbullen aus den arktischen Meeren auf den langen Weg zu den milden Gewässern vor den Azoren, um sich dort zu paaren. Die Tiere, die jetzt an den Küsten der Nordsee gefunden wurden, sind salopp gesagt, falsch abgebogen. Ältere Pottwal-Männchen sind alleine unterwegs und schwimmen meist sehr zügig, die jungen Tiere bummeln aber gerne ein wenig herum und schauen sich die Gegend an. Bei diesen Ausflügen kann es dann passieren, dass sie in der Nordsee landen, die für Tiere dieser Größe aber nicht tief genug ist. Die Jungwale verlieren schließlich die Orientierung, sie geraten in flaches Wasser und stranden dort. In der Folge drückt das Gewicht des Körpers die Blutzufuhr ab, quetscht die Lungen, und die Tiere verenden.

Walsterben, kein neues Phänomen

Nach Ansicht von Meeresbiologen ist das Walsterben an der Nordseeküste ein Grund zur Panik, denn es kommt immer wieder vor, dass junge Wale sich verschwimmen und dann in flachen Gewässern sterben. Die letzte große Gruppe von Pottwalen wurde 1996 an der Küste Dänemarks an die Strände gespült, 16 Tiere kamen damals ums Leben. Mitte der 1990er Jahre war die Situation noch dramatischer, als über 50 Pottwale an den europäischen Küsten der Nordsee, überwiegend in Dänemark strandeten. An den deutschen Küsten gab es im 18. Jahrhundert ein großes Walsterben, als 17 Pottwale in der Helgoländer Bucht nahe der Insel Neuwerk ums Leben kamen.

Die Bergung der Pottwale

Die toten Pottwale sorgen jetzt für massive Probleme, denn die Kadaver müssen fachgerecht entsorgt werden. Da der Wal zu den Säugetieren gehört, bilden sich in den toten Körpern Gase, die das Tier zum Platzen bringen, wenn sie nicht entweichen können. Auf der Insel Wangerooge hat man jetzt damit begonnen, Löcher in die toten Körper zu bohren, damit die Gase entweichen können. Zudem graben Bagger Rinnen ins Watt, die später als eine Art Gasse dienen sollen, um die toten Pottwale ins Meer zu schleppen. So können dann die schweren Körper mit Wasser unterspült werden, um den Transport leichter zu machen. Mit der Tide werden die Pottwalbullen dann von einem Schiff auf die offene See geschleppt. Teile der Tiere werden jedoch zuvor von Meeresbiologen untersucht, denn es kann auch eine Krankheit gewesen sein, die das Walsterben verursacht hat.

Bild: © Depositphotos.com / Devon

Das Walsterben an der Nordsee
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Über den Autor Ulrike Dietz

Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

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