Benching – die neue Art, um Probleme zu verschieben

Jeder hat schon mal eine Entscheidung auf die lange Bank geschoben oder wie es die Kanzlerin versucht, Probleme einfach auszusitzen. Manchmal brauchen Entscheidungen eine gewisse Zeit, um zu reifen, und spontane Entschlüsse sind nicht in jedem Fall die beste Wahl. Wenn es aber darum geht, einen Menschen in die Warteschleife zu verschieben, dann nennt sich das Benching. Bencher sind Zeitgenossen, die mehr als eine Nacht über ein Problem schlafen müssen und die sich nicht so einfach zu einem Ja oder einem Nein durchringen können. Sie schätzen ein Vielleicht, sie zögern alles hinaus, sie vertagen wirklich Wichtiges, aber sie überlegen nie, wie sich das für den Anderen anfühlt.

Erst mal warten lassen

Benching ist ein englischer Begriff aus der Sportwelt, der nichts anderes bedeutet, als jemanden auf die Strafbank zu schicken. Streng genommen passiert beim Beziehungs-Benching nichts anderes, denn wie im Eishockey, so wird auch hier der Partner oder die Bekanntschaft auf unbestimmte Zeit auf die Bank gesetzt. Selbst wenn Benching vielleicht schicker klingt, Strafbank heißt Strafbank, der Spieler ist quasi aus dem Spiel, aber doch nicht so ganz. Bencher halten den Liebsten oder die Liebste einfach hin und nehmen sie, wenn man es etwas überspitzt ausdrücken will, in eine Art von Geiselhaft. Alles bleibt unverbindlich, es fällt kein klärendes Wort und das kann, wenn es schlecht läuft, über Wochen und Monate so gehen.

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Ist Benching böse?

Sind Bencher böse Menschen? Ja und nein, denn viele können sich einfach nicht dazu durchringen, Klartext zu reden, andere wollen es erst gar nicht. Jeder fühlt sich gerne begehrt und derjenige, der Benching betreibt, der gefällt sich nicht selten in seiner machtvollen Position. Der Bencher hat die Situation unter Kontrolle und er bestimmt, wann er sich wieder meldet oder vielleicht sogar verabredet, um das Date dann aber unter fadenscheinigen Gründen in letzter Minute abzusagen. Benching fühlt sich für den, der die Entscheidung nicht treffen will, gut an und er wird daran vermutlich auch nichts Schlimmes finden, aber wie sieht es bei der Gegenseite aus?

Einfach abwarten

Wie gut oder weniger gut die Hinhaltetaktik funktioniert, das liegt an demjenigen, der dieser Form von Beziehungsstress ausgesetzt ist. Wer in der Dauerwarteschleife sitzt, der hat zwei Möglichkeiten: Er kann dem Spuk sehr schnell ein Ende machen oder Geduld beweisen und das Spielchen des Benchers über einen langen Zeitraum mitmachen. Anders als beim Ghosting verschwindet die Bekanntschaft oder der Freund beim Benching nicht einfach, er ist präsent, wenn auch nur durch gelegentliche Botschaften, Smilies oder Likes auf dem Facebook-Profil. Auf diese Weise wird eine gewisse Nähe vorgegaukelt, die vielen aber reicht, um am Ball zu bleiben. Die meisten begreifen erst sehr spät, dass sie es mit einem Bencher zu tun haben und brechen enttäuscht den Kontakt ab, oft jedoch erst nach Monaten.

Die Folgen des Benching

Benching kann auf diejenigen, die in der Warteschleife festsitzen, gravierende Folgen haben. Wer irgendwann aufgibt, der wird sich gedemütigt fühlen und letztendlich begreifen, dass der Bencher nie ein echtes Interesse an ihnen hatte. Menschen, die über wenig Selbstwertgefühl verfügen, können in Depressionen fallen, denn sie fühlen sich ausgenutzt, und das nicht ganz zu Unrecht. Zu erkennen, dass derjenige, dem das Interesse galt, niemals die Absicht hatte, Klartext zu reden, tut sehr weh und sensiblen Menschen macht diese Form der Zurückweisung oft schwer zu schaffen. Wut wäre allerdings die bessere Reaktion, denn es nützt sehr wenig jemandem nachzuweinen, der zu keiner Zeit ein echtes Interesse hatte, sondern nur sein Ego pflegen wollte.

Alle, die erst gar nicht das Opfer eines Benchers werden wollen, sollten möglichst schnell die Notbremse ziehen und spätestens nach der zweiten belanglosen Ausrede, aus dieser sehr einseitig verlaufenden Beziehung aussteigen.

Bild: © Depositphotos.com / Wavebreakmedia

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
Ulrike Dietz

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