Nationalismus – die Quittung für die Globalisierung?

Die Briten verlassen die EU, die Eurokrise hat Europa fest im Griff, das Drama um Griechenland kommt nicht aus den Schlagzeilen und eine Massenmigration sorgt für eine aufgeheizte Stimmung. In dieser krisengeschüttelten Zeit geistert ein Wort durch Europa, das viele verteufeln und ebenso viele bejubeln – Nationalismus. Immer mehr Menschen wollen nicht mehr nur ein kleiner Teil der großen Globalisierung sein, sie wollen, dass ihr Land wieder zu einem souveränen Staat wird und sie möchten nicht mehr, dass andere über ihr persönliches Schicksal entscheiden.

Eine gescheiterte Idee

Die Millionen von Toten der beiden Weltkriege haben den Nationalismus zu einem politischen Konzept gemacht, was nach Möglichkeit nicht wiederholt werden sollte. Wer in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nationalistisch dachte, der wurde niedergeschrien, als moralisch verwerflich betrachtet und vor allem diskreditiert. Die moderne Gesellschaft, so wurde es immer wieder propagiert, kann nur dann überleben, wenn sie sich international orientiert. Das stellt sich mehr und mehr als eine Idee heraus, die zum Scheitern verurteilt ist. Der Nationalismus ist zäh, er sitzt irgendwo im Hintergrund und wartet darauf, wieder ins Rampenlicht zu treten. Jetzt scheint es, als sei seine Stunde gekommen, denn in ganz Europa sind Parteien auf dem Vormarsch, die sich das nationale Denken und Handeln auf die Fahnen geschrieben haben.

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Hat die Politik geschlafen?

Der wieder aufkommende Nationalismus hat viele der politisch etablierten Parteien auf dem falschen Fuß erwischt. Die Regierenden haben zu lange angenommen, dass der Begriff Nation eine Art Konstruktion aus Kultur und sozialen Leistungen ist, die ganz nach Belieben ausgetauscht werden kann. Vor allem in Deutschland wird diese Vorstellung der politischen Elite durch die neuen Nationalisten noch befeuert. Fremd im eigenen Land – dieses Gefühl haben mittlerweile über 50 % der Deutschen, sie haben Angst davor, ihre Kultur, ihre Traditionen, ihre Sprache und ihr Recht zu verlieren. Multikulti ist zu einem Schimpfwort geworden und immer mehr Menschen sind der Meinung, dass die Politik das Volk einfach „austauschen“ will. Wie tief die Politik in den letzten Jahren geschlafen hat, das zeigen die hohen Umfragewerte und Wahlerfolge der Gruppierungen, die für den Nationalismus stehen.

Keine anonyme Masse mehr

So sehr wie Menschen eine eigene Identität brauchen, so sehr benötigen Staatsbürger ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie wollen keine anonyme Masse sein, sie wollen sich vielmehr geborgen fühlen, sie wollen wissen, wo ihre Heimat ist und sie wollen Mitglied einer Nation und kein globalisierter Weltbürger sein. Wie empfindlich die Deutschen reagieren, wenn man ihnen den nationalen Stolz verbieten will, das zeigt die jüngste Welle der Empörung, nur weil die Grünen der Ansicht waren, dass die deutsche Fahne ein Zeichen für Nationalismus ist und daher nicht mehr angebracht sei. Die Deutschen wollen wieder Flagge zeigen, und das nicht nur dann, wenn im Fußball ein neuer Europameister gesucht wird.

Wie gefährlich ist Nationalismus?

Es ist nicht das nationale Denken, das gefährlich ist, es ist vielmehr das, was aus diesem Denken resultieren kann. Der Anspruch auf Macht zum Beispiel oder auch das Gefühl der Überlegenheit kann ein Produkt des nationalen Denkens sein. Die Befürworter der Globalisierung, alle, die eine „bunte“ Nation haben wollen, werden nicht müde auf die möglichen Folgen hinzuweisen und verweisen immer wieder auf die düsteren Kapitel Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Immer wieder wird auch die Gefahr des Separatismus ins Feld geführt, denn ein Staat, der national denkt, ist in den Augen vieler ein Störenfried, der die europäische und die internationale Idee zerstört. Der Grad ist schmal, und ob sich die nationalistische Idee durchsetzen kann, hängt vor allem von der politischen Entwicklung ab. Den nationalen Gedanken nur zu verteufeln und die national denkenden Menschen zu beschimpfen, ist aber mit Sicherheit nicht der richtige Weg.

Bild: © Depositphotos.com / scanrail

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
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