Uraltes belgisches AKW Doel wieder am Netz » Reise Urlaub

Der umstrittene belgische Atomreaktor Doel befindet sich seit dem 21.Dezember 2015 wieder am Netz und musste erneut abgeschaltet werden. Der Grund für die Abschaltung war ein nach Angaben des Kraftwerkbetreibers Electrabel ungefährliches Leck im Wasserkreislauf im konventionellen nicht-atomaren Bereich des als unsicher geltenden AKW. Ein Risiko für die Allgemeinheit sieht Electrabel nicht und stuft das Atomkraftwerk als sicher ein.

AKW Doel ein Sicherheitsrisiko

Das AKW Doel ist 40 Jahre alt und gilt unter Fachleuten als Sicherheitsrisiko für Millionen Menschen, die Belgien, Deutschland und der Niederlande leben. Beheimatet ist das Atomkraftwerk bei Antwerpen und musste 18 Monate abgeschaltet werden. Am Reaktorbehälter von Block 3 wurden Haarrisse entdeckt, die von der belgischen Atomaufsichtsbehörde AFCN untersucht wurden. Nach Angaben der AFCN seien die Haarrisse kein Problem und ungefährlich für die Reaktorsicherheit. Am 21.Dezember 2015 wurde Doel 3 wieder an das Stromnetz angeschlossen.

Die Bundesregierung und Umweltschützer stehen Doel 3 und dem baugleichen Atomkraftwerk Tihange 2 extrem kritisch gegenüber. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußerte auf ihrer Facebook-Seite am Heiligabend besorgt über die Reaktorsicherheit beider AKWs. Das Kernkraftwerk Tihange 2 ist rund 70 Kilometer von Aachen entfernt. Die Atomaufsicht AFNC genehmigte einen Weiterbetrieb von Doel 3 bis zum Jahr 2025, obwohl er nach den bisherigen Planungen noch in diesem Jahr vom Netz genommen und stillgelegt werden sollte. Die AKW Doel 1 und Doel 2 sind im Jahr 1975 eingeschaltet worden. Beide sind die ältesten Kernkraftwerke Belgiens. Im Januar wird Deutschland gegenüber der belgischen Atomaufsicht seine Bedenken bezüglich der alten Reaktoren äußern, wie Bundesumweltministerin Hendricks berichtete.

Kernkraftwerk Doel sicher?

Das Kernkraftwerk Doel ist ein Druckwasserreaktor bestehend aus vier Reaktorblöcken mit einer Gesamtleistung von 2963 Megawatt. Im Februar 1975 ging das AKW nach sechs Jahren Bauzeit in den kommerziellen Betrieb. Der Energieversorger Electrabel ist Betreiber des AKW. Jeder der vier Reaktorblöcke sind mit einem Doppelcontainment umgeben und das ist ein doppelter Sicherheitsbehälter. Die Abschaltung aller Reaktorblöcke des AKW Doel ist für das Jahr 2025 vorgesehen. In den nächsten zehn Jahren soll die Stromversorgung Belgiens auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Die Gefahr eines Reaktorunglücks wie am 26.April 1986 im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl ist beim AKW Doel geringer, da es sich um einen Druckwasserreaktor und nicht um einen Graphitreaktor handelt. Das Kernkraftwerk Tschernobyl wurde mit Graphit gekühlt und auf Grund eines gravierenden Bedienfehlers während eines Experiments lief der vierte Reaktorblock des AKW heiß. Als Konsequenz explodierte der Reaktorblock und es kam zur Kernschmelze. Über eine halbe Million Menschen wurde mit einer enormen Strahlenbelastung konfrontiert und noch heute sind 125.000 Personen schwer krank.

Rund um das AKW Doel in einem Umkreis von 75 Kilometern leben mehr als 9 Millionen Menschen und diese könnten bei einem GAU oder Super-GAU radioaktiv verstrahlt werden. Die belgische Regierung ist sich der Risiken bewusst, aber entschied sich in Übereinstimmung mit der Atomaufsicht für einen Weiterbetrieb bis 2025, weil in den Wintermonaten zu wenig Strom produziert wird und zu Stromabschaltungen führen könnte.

Das AKW Tihange gewährleistet mit dem Kernkraftwerk Doel die Stromversorgung Belgiens. Bei einer Abschaltung beider Atomkraftwerke wäre Belgien gezwungen Strom zu importieren. Seit der Inbetriebnahme kam es zu insgesamt vier Störfällen, die zum Glück für Belgien und Europa nicht zu einem Reaktorunglück führten.

Bei einem Reaktorunglück wäre die Gesundheit von Millionen Menschen in Belgien, der Niederlande und Deutschland bedroht. Eine hohe Strahlenbelastung verursacht Krebs, zerstört das Immunsystem und führt schließlich zum Tod. Im Jahr 2003 beschloss die damalige belgische Regierung Verhofstadt 1 einen Atomausstieg bis 2025. Im Rahmen eines Atomausstiegs wird die Stromversorgung eines Landes auf umweltfreundliche Energien wie Solarkraft, Windkraft, Geothermie oder Wasserkraft umgestellt. Die Umstellung erfordert Investitionen in Milliardenhöhe vom Staat und Energieversorgern.

Bild: © Depositphotos.com / jorisvo

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Über den Autor Andreas Kraemer

Andreas Krämer ist seit über 12 Jahren als Texter mit seinem Schreibbüro (www.sauerlandtext.de) aktiv. Er hat sich auf die Erstellung von Fachtexten, Blogbeiträgen, Newsartikeln und App-Testberichte für kommerzielle Webseitenbetreiber sowie Printmedien spezialisiert.

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